Ballonfahrt

zum Hotel Sangho

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Auf den Korbrand gestützt, verfolgen wir fasziniert, wie sich unter ihm aus dem Dunst heraus eine Wolkenschicht aufbaut, die kurz darauf auch uns die Sicht zum Boden nimmt. Ein wenig beklemmend, aber grandios – wie an der Balkonbrüstung im tausendsten Stockwerk eines Wolkenkratzers. Die Luft ist klar und kühl, kein Windhauch ist zu spüren – ein Gefühl, als wären wir abgenabelt von dieser Welt. Nur der Brenner erinnert fast penetrant daran, dass unsere Ballonfahrt Realität ist. »Schaut mal da drüben!« Auf der Oberfläche der Wolken spiegelt sich der Schattenriss unseres Ballons, eingerahmt in einen kreisrunden Regenbogen. »Habt Ihr so was schon gesehen?« Charles ist stolz, seinen Passagieren etwas bieten zu können.

Die Luftspiegelung hält aber nur vier Aufnahmen und einen Objektivwechsel lang. Dann löst sie sich auf. Einige Zeit später auch. die Wol­ken, die die Sonneneinstrahlung auf den Boden und somit die Entste­hung von Thermik bisher verhindert haben. Wir müssen uns neu orientieren. »Da, seht ihr das Sangho?« »Char­les, glaubst Du wirklich, das ist zu machen?« Charles ist vom Ehrgeiz gepackt, würde das aber nie zugeben. Unverbindlich-schlitzohrig meint er: »Schaun ma mal! « Zu sehr mit den neuen Eindrücken beschäftigt, habe ich Stefan aus den Augen verloren. Ich suche den Himmel ab, kann ihn aber nirgends entdecken. Charles über Funk: »Stefan, bitte melden – wo bist Du?« »Über euch, etwa fünfzig Meter und bin langsam am Überholen.« jetzt ist er aus dem Sichtschatten raus, und ich sage ihm, er soll auf gleiche Höhe gehen. »ja, bleib auf dieser Höhe! Optimal, die Bilder sind im Kasten!«

»Fertig mit Fotografieren?« Charles drängelt, weil er die Ballonfahrt tiefer fortsetzen will. Dort­hin, wo hundert Meter unter uns die Schweizer wieder nach Osten drif­ten. »Da müssen wir auch hin – hier werden wir zu weit nach Westen versetzt, das macht keinen Sinn.« Auch wir erreichen diese Strömung, setzen unsere Ballonfahrt in der Mitte des weiten Tales fort und gehen so tief, bis wir in den Einflussbereich jenes Windes gelangen, der um diese Zeit noch von den Bergen herkommen muss. Die Einschätzung war nicht falsch. Wir treiben auf den Tafelberg zu, hinter dem das Hotel Sangho liegt. Vielleicht sechzig Meter über Grund, weit unter Plateauhöhe, schlei­chen wir uns an. Mit knappem Abstand geht es langsam an den rotbrau­nen Schutthalden des Tafelberges hoch. Unser Schatten voraus scheint zum Greifen nahe, jetzt haben wir Plateauhöhe erreicht. Mit weniger als einem Meter Abstand schleichen wir über Steine und niedrigen Bewuchs, um uns dann nach zweihundert Metern wieder abzusenken in den Schatten, der sich weiter zurückgezogen hat und die gelungene Architektur des Hotel Sangho jetzt dem klaren Morgenlicht überlässt. Der silberne Ballon mit dem roten Balkenkreuz schiebt sich langsam zum Pool vor. Ein Kamerateam hat sich auf dem Flachdach des einstöckigen Restaurants eingenistet und fängt die Bilder unserer Ballonfahrt fürs tunesische Fernsehen ein. Kurz vor dem Ziel geben die Schweizer auf, steigen höher und treiben über den Parkplatz hinweg nach Westen, um nahe der Straße nach Chenini zu landen. Zentimeterweise arbeiten wir uns jetzt an den Pool ran. Es sieht viel versprechend aus, die Spannung im Korb steigt. Die Dattel-Palmen am Rande der Anlage könnte man greifen, so tief sind wir. Zwanzig Meter vor dem Pool kommt jedoch auch für uns das Aus. Wir treiben nach links ab. Das war’s. Knapp vorbei ist auch daneben. Was soll's! Wer hätte heute früh gedacht, dass so was machbar sein würde? Charles scheint nicht unzufrieden: »ja mei ...«

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