Ballonfahrt

über Douz

Als ich aufwache, ist es draußen schon hell. Aber es regnet noch immer. Bernhard behauptet, wieder unter den Lebenden zu sein – und bedauert außerordentlich, dass er nicht mitfeiern konnte. Zum Frühstück gibt’s Kaffee und Spiegeleier. Nachdem wir versprechen mussten, im nächsten Jahr wiederzukommen, machen wir uns auf nach Douz. In der Oase steht das Wasser knöchelhoch in den Pfützen. Die Piste nach Douz ist etwas aufgeweicht vom allmählich nachlassenden Regen, aber pro­blemlos zu befahren. Wir genießen es, allein unterwegs zu sein und unse­re Fotostops und Pinkelpausen selbst bestimmen zu können. Zwei aben­teuerliche Raststätten im endlosen Sand, mit klingenden Namen wie

»Cafe Bir Soltane«, und »Cafe Centre de Sahara«, können wir nicht aus­lassen. Sie sind nicht nur Cafe-Restaurant und Kiosk, sondern auch Nachrichtenbörse. Hier erfahren wir, dass der Konvoi gestern gegen halb elf zum Kaffetrinken eingekehrt war.

Im »Centre de Sahara« nehmen wir das »Menü« ein: Salat und Spaghetti mit Tomatensoße. Stilecht, auf einem Teppich liegend, im Schatten eines Nomadenzeltes. Und ab und zu knirscht etwas Sand zwischen den Zähnen.

Gegen drei erreichen wir unser Hotel in Douz. Wir haben nichts ver­säumt – heute war noch kein Ballon in der Luft. Es hat wohl Ballonfahrt Startversu­che gegeben, wegen zuviel Wind musste aber abgebrochen werden. Auch bis jetzt, es ist schon fast vier, hat er sich nicht gelegt. Wie es aussieht, wird es heute auch keine Abend Ballonfahrt geben. Unsere Alternativen für diesen angebrochenen Nachmittag - Kamel­ritt im Sonnenuntergang auf eine Düne oder ein heißes Rennen mit »Dune-Buggies« auf einem abgesteckten Sandkurs. Da Roger noch immer nicht genug vom Autofahren hat, müssen wir natürlich auf den Rundkurs. Das erste Mal seit Tagen, dass vor dem Abendessen noch etwas Zeit zum Relaxen bleibt. Sehr angenehm, denn morgen früh besteht noch eine letzte Chance auf eine Ballonfahrt, um die großen Dünen in der aufgehenden Sonne von oben zu sehen. Und diese Chance will sich keiner entgehen lassen. Wie immer. Wir sind auch heute vor sieben am Startplatz. »Hängt die Ballone gut an.«, rät Abderassak. Das braucht er gar nicht erst zu sagen, der Wind lässt uns gar keine andere Wahl. Der Startplatz ist optimal – sandig und hindernisfrei. Da schadet es nichts, wenn beim Start der Korb vom Wind erstmal über den Sand geschleift wird. An den anderen Ballo­nen sehen wir, dass der Wind am Boden noch nichts über den Verlauf unserer Ballonfahrt aussagt. Kurz nach dem Start haben sie sich bereits in ver­schiedene Richtungen verteilt. Aber in Richtung der Dünen steht kei­ner. Rechtzeitig zum Sonnenaufgang sind auch wir in der Luft.

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