Ballonfahrt

über Douirat

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« Wir driften jetzt schneller. Zwölf Kilometer zeigt das Dis­play. Mit dem richtigen Wind wächst auch die Lust auf kreative Manöver. »Ich gehe jetzt tiefer in die Schlucht rein, mal sehen, ob wir zwischen den beiden Kegeln da vorne durchfahren können.« Wir treiben genau auf die linke Seite des rechten Felsenturms zu, unter Gipfelhöhe. 14 Knoten zeigt das GPS. »Stefan, du musst höher!« »Nein, kein Problem, der Düseneffekt schiebt uns genau in der Mitte durch. Ganz sicher, wirst sehen! « Er muss wissen, was er tut, schließlich ist es nicht seine erste Ballonfahrt.

Draußen über dem Tal ein Blick zurück. Die nachkommenden Ballone nehmen auch den Weg durchs »Nadelöhr«. Es scheint also doch ein Naturgesetz zu geben, auf das man sich verlassen kann – eine Art passive Steuerungs­möglichkeit. Das Vertrauen in unseren Piloten vertieft sich. Ober dem Tal ist es vorbei mit dem Wind. Im Wadi, das sich unter uns durch die Steinwüste zieht, sind die Wasserpfützen der ergiebigen Regenfälle der letzten Tage noch nicht versickert. Wie war das mit dem Zeitplan? Es hätte ja auch jetzt regnen können. Was wäre dann?

»Wo kommt denn plötzlich dieser warme Wind ... « Stefan hat noch nicht zu Ende gesprochen, als eine thermische Ablösung den Ballon erfasst und heftig ins Schaukeln bringt. Eine aufsteigende Luftblase drückt den Ballon etwas zusammen, und einiges von der Warmluft, die uns oben hält, entweicht aus der Hülle. Wir sind hundertfünfzig Meter über Grund. Der Ballon stabilisiert sich wieder, aber wir sinken noch immer mit über drei Metern pro Sekunde. Vorsichtshalber ein Blick nach unten – keine Palmen und keine Leitungen, auch sonst nichts, was ein Problem darstellen könnte. Stefan heizt mit beiden Brennern – doch der Ballon reagiert träge. Rechtzeitig über Grund ist die Situation bereinigt. Nicht so bei Rudi, der das gleiche Problem hatte. Ganz in unserer Nähe müssen sie Ihre Ballonfahrt vorzeitig abrechen. Rudi meldet über Funk: »Alles okay! Hätte nicht gedacht, dass das mal so schnell geht! « Wir sind gewarnt. Bevor es thermisch zu aktiv wird, sollten auch wir unsere Ballonfahrt beenden. Ganz bequem fürs »Erdferkel« landen wir ohne weitere Störung auf einem Seitenweg nahe der Straße nach Tataouine. Der Ballon steht noch, als sich ein Jeep mit zwei Uniformierten nähert. Vorsichtshalber wandern die Kamerautensilien in den Rucksack. Entwarnung! Das Interesse gilt lediglich einer Zigarette, und die einzige Frage zielt drauf ab, wo wir herkommen. »L`Allemagne. De Munich!« »Ah! FC Bayern! Au revoir, messieurs. Bon voyagel« Die freundlichen Herren verabschieden sich sichtlich zufrieden.

Beim Start zur Ballonfahrt waren wir noch ganz froh um den Anorak, und jetzt packen wir im T-Shirt unseren Ballon auf den Hänger. Es ist erst Viertel vor neun. Alles super – nur Roger kann seine Rollei nicht mehr finden! Wieder zurück zum Startplatz, vielleicht liegt sie ja noch irgendwo im. Sand. Aber da liegt nichts mehr. Der tiefblaue Himmel über dieser archaischen Landschaft muss uns dafür Entschädigung genug sein. Nach der Liste für die Rückmeldung, die an der Rezeption ausliegt, sind noch einige Teams unterwegs. Nicht alle hatten das Glück, am Ende Ihrer Ballonfahrt so nahe an der Straße runterzukommen, und sind noch mit der Bergung der Ballone beschäftigt. Für die heutige Abend Ballonfahrt ist das Briefing um drei angesetzt, und vorzüglich organisiert hält der Tankwagen ab zwei den »Stoff« für unsere nächsten Abenteuer auf dem Parkplatz bereit. Mittagessen um eins. Alle sind heil zurückgekehrt. Die kleinen Stories vom gerade erst Erlebten machen am Tisch lebhaft die Runde ...  Keine Zeit, entgangenen Schlaf nachzuholen. Ein paar Tassen Kaffee an der Poolbar müssen genügen, die Müdigkeit zu vertreiben.

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