Ankunft

in Tunesien

und erste

Ballonfahrt

Noch keine Stunde ist vergangen, seit der Jet aus München auf der Mittelmeerinsel Djerba aufgesetzt hat. Unsere Freunde hatten Wort gehalten. »Wenn Ihr ankommt, sind wir auch da«, so war es letzten Don­nerstag verabredet. Mit etwas Verspätung und ziemlich müden Augen sind sie vorgefahren, die zwei vom Team »Limes Ballooning« –mit Geländewagen und Hänger, auf dem sich Ballon und sonstige Ausrü­stung für die Ballonfahrten breit machen. Die Nachtfahrt von Tunis in den Süden nach Djerba war wohl anstrengender als gedacht. Roger, unser »Erdferkel«, geht völlig in seiner Aufgabe auf. Als erfahrener Sahara-Fahrer ist er zuständig für das Fahrzeug und die Beladung und alles, was am Boden organisiert wer­den muss. Er kann die erste Ballonfahrt kaum erwarten, um endlich von der Asphaltstraßen auf die Sandpisten zu kommen ...

Auf der kleinen Fähre, die das Festland mit der Insel Djerba verbin­det, kommt zum ersten Mal so etwas wie Afrika Feeling rüber. Milde Luft weht uns um die Nase, und die Einheimischen scheinen alle Zeit der Welt zu haben. Zeit auch für uns, die mitgebrachte Hektik abzulegen und mindestens einen Gang zurückzuschalten. Eng ist es auf der Rückbank des Pajero, und es braucht Zeit, bis etwas Konversation zustande kommt unter den Leuten, die sich aufmachen, die Wüste im Heißluftballon zu erobern. Da sind Erich und Wolf, zwei gestresste Fotografen, die beim Blick auf meine Ausrüstung glaubhaft versichern, dass sie in  ihrer Freizeit einfach keinen Bock drauf hätten, schweres Equipment durch die Gegend zu schleppen, und einfach mal alles »nur so« auf sich wirken lassen wollen. Erich, der vor Jahren zusammen mit Roger schon Wüstenluft geschnuppert hat, ist konsequent: keine Kamera. Wolf – er ist zum ersten Mal in der Wüste – nicht ganz; in seiner Jackentasche ruht eine handliche Contax – für alle Fälle.

Medenine, eine nüchterne Stadt mit ebenso nüchterner Architektur, soll für uns zum Ballonfahrt Einstieg in den Himmel über der Wüste werden. Unerwartete Hektik gegen halb vier. »Briefing« für die Ballonfahrt um vier am Stadt­rand. In den Konvoi auf dem staubigen Parkplatz kommt Leben. Zwölf Ballongespanne versuchen, dem Veranstalterfahrzeug zu folgen. Ge­schwindigkeitsbegrenzungen spielen jetzt keine Rolle mehr. Eine weite, rotbraune Sandfläche am nördlichen Stadtrand ist Startplatz für die Eröffnungs-Ballonfahrt der IV. Montgolfiade in Tunesien. Militärs, Feuerwehr, eine Trommlergruppe in folkloristischen Kostümen und jede Menge Zu­schauer, die auf  klapprigen Fahrrädern und Mopeds hier rausgekommen sind, bilden im späten Nachmittagslicht eine ungewöhnliche Kulisse für dieses Ballonfahrt Meeting.

Das Aufjaulen der Sirene und das orange Blinklicht am Veranstalter­fahrzeug ruft die Ballon Piloten zum Briefing. Der Chefpilot von »Oasis« erläu­tert auf französisch die Tagesaufgabe, die Möglichkeiten und die Be­schränkungen, die sich für diese Ballonfahrt ergeben. Ein Ballonfahrer aus der Schweiz übersetzt für die nicht französisch sprechenden Teilnehmer.

»Fotografieren aus dem Ballon Korb ist während der gesamten Montgolfiade untersagt. « Ich denke, ich höre nicht richtig – aber auch »... wer will das denn schon kontrollieren ... «

Dann verlieren sich die Worte des Übersetzers im Knattern der Rotorblätter eines Militärhubschraubers, der in niedriger Höhe über den Platz fegt. Ich bilde mir ein, noch etwas von »auf eigenes Risiko« gehört zu haben, oder so ...

Der Wind, der bis eben noch jede Ballonfahrt unmöglich oder zumindest riskant gemacht hätte, ist fast abgeflaut. Mit weniger als vier Knoten bläst er nun aus Nordwest, und der kleine Helium Ballon, der als Wind­spion aufsteigt, treibt genau über die hellen Mauern von Medenine hin­weg, denen das warme Licht des späten Nachmittags die kalte Nüchtern­heit nimmt. Perfekte Verhältnisse. Der Start für die Ballonfahrt ist freigegeben. Für Patrick, Erich und Wolf ist es die erste Ballonfahrt überhaupt. Und Stefan, der Pilot des Ballons »LIMES« möchte sich die obligatorische Ballon Taufe mit Feuer und Wasser, mit der Neulinge in den »Adelsstand der Ballon­fahrer« erhoben werden, nicht nehmen lassen. Es ist die einmalige Gele­genheit, ungestraft an Patricks exotischer Haarpracht zu zündeln und dann mit Schampus abzulöschen. Deshalb hat er uns ausquartiert. Bern­hard und ich, die wir schon über etwas Ballonfahrt Erfahrung verfügen, steigen in den Korb zu Manni, einem Ballonfahrer vom Chiemsee.

» weiter zu ›Ballonfahrt über Medenine‹